Ist unser Schulsystem in seiner derzeitigen Form noch zeitgemäß oder zerstört es unsere Kinder?

Man sollte sich zunächst einmal bewusst machen, woher unser derzeitiges Schulsystem kommt, wie es entstanden ist: Das Schulsystem, so wie es heute existiert, stammt aus einer Zeit, in der Kreativität und Querdenker nicht gefragt waren.

Woher kommt unser Schulsystem?

Es stammt aus dem Industriezeitalter, in dem funktionale Arbeiter gefragt waren, die Anweisungen befolgen und Tätigkeiten nachgehen, die heutzutage weitgehend automatisiert oder ins Ausland verlagert wurden und zukünftig noch weniger gefragt sein werden.
Der klassische „Arbeiter“ ist heute bereits ein veraltetes Modell.

Dennoch stammt unser Schulsystem (im Kern) immer noch aus dieser Zeit. Innovation und unternehmerisches Denken war einzelnen Wenigen vorbehalten, die breite Masse hatte schlicht zu „funktionieren“ und möglichst wenig aufzumucken. Mittlerweile hat sich die Welt und die Gesellschaft aber dramatisch verändert. Heute ist es wichtiger geworden zu gestalten und kreativ zu erschaffen… Auch Dinge kritisch zu hinterfragen… Und genau da stößt die Schule (meiner Meinung nach) an ihre Grenzen.

Bildung oder AUSbildung?

Zunächst sollten wir diese beiden Begriffe klären.

„Bildung ist das was übrig bleibt, wenn man alles Gelernte vergessen hat.“

Dieser Satz bringt es auf den Punkt.
Bildung ist das was uns dazu befähigt, komplexe Zusammenhänge zu begreifen, überhaupt in Zusammenhängen denken zu können und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Bildung ist auch eine Form von Begeisterung dafür, uns neues Wissen FREIWILLIG anzueignen. Sie beschreibt auch das Verständnis der Realität, der Welt in der wir leben und den Umgang mit unserer Umwelt und Mitwelt. Bildung beschreibt unsere Fähigkeiten, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen zu können.

Bildung beschreibt Fähigkeiten und nicht bloße Kompetenzen.

Was sind Kompetenzen? Kompetenzen sind theoretische Möglichkeiten, mit Herausforderungen umzugehen. Bildung hingegen führt zu praktischen Fähigkeiten, mit denen wir Probleme tatsächlich lösen können.

Vereinfacht gesagt:
Jemand der kompetent ist, weiss wo er bei Problemen nachschauen muss/wen er fragen muss. Jemand der fähig ist, braucht nicht nachlesen oder nachfragen, er KANN es selbst.

Ausbildung:

Wir bekommen Dinge beigebracht! Wir bekommen erklärt, wie etwas funktioniert und wenden es anschließend genau so an.

Bildung:

Wir eigenen uns die Fähigkeiten an, uns Dinge selbst beizubringen und selbst zu verstehen, wie etwas funktioniert.

Leider ist unser Schulsystem darauf ausgerichtet nur bedingt zu bilden, aber sehr wohl AUSzubilden.

Die große Problematik von unserem Schulsystem

Wie bereits erwähnt, stammt unser Schulsystem aus einer Zeit, in der eine gute Ausbildung wichtiger war als die Fähigkeit, kreativ und in Zusammenhängen denken zu können. Es war auch bei Weitem nicht so wichtig interdisziplinär, also bereichsübergreifend denken und handeln zu können.
Heute sieht die Sache aber ganz anders aus.

Die Gesellschaft, der Arbeitsmarkt, die Wirtschaft, alles hat sich verändert. Heute sind keine stupiden, nach Schema F funktionierenden Arbeiter mehr nötig.

Durch die Digitalisierung, durch Automation, Robotertechnik und Algorithmen übernehmen immer mehr Maschinen und Computer die Arbeit der Menschen. Menschen werden immer weniger Arbeiter und immer mehr zu Entscheidern und Gestaltern.

Und hier erkennt man das große Problem:
Jemand der gelernt hat nach Checkliste und Schema F zu funktionieren, seinen eigenen Verstand nicht zu gebrauchen und nur nach Vorgaben zu funktionieren, ist nicht in der Lage, kreative Ideen zu entwickeln und „um die Ecke zu denken“.
Was wir brauchen, sind Menschen, die Spaß daran haben, neue Dinge zu erlernen, neue Wege zu gehen und sich mit Spaß und Begeisterung neuen Herausforderungen zu stellen.

Dafür brauchen wir ein Schulsystem, das uns den Spaß am Lernen, die Motivation und die Begeisterung nicht nimmt, sondern fördert!!

Doch tut es das?

Wie lernen wir?

Wenn wir noch klein sind, ist Lernen für uns nichts Anstrengendes oder Belastendes. Ein Kind stellt, wenn man das nicht aktiv unterbindet, bis zu 400 Fragen pro Tag. Es lernt durch aufrichtiges Interesse, durch Begeisterung und durch Motivation.
Einem Kind fällt es nicht schwer, neue Dinge zu lernen. Es empfindet Lernen nicht als unangenehm oder anstrengend. Das Hirn eines kleinen Kindes ist wie ein Schwamm – Es saugt alles auf, was es wahrnimmt, stellt Verknüpfungen her, speichert Erfahrungen ab und entwickelt die Fähigkeit, Problemlösungsstrategien zu entwickeln.
Aber warum fällt es kleinen Kindern so leicht neue Dinge zu erlernen und warum tun sich Erwachsene schwerer damit?

Weil ein Kind FREIWILLIG lernt! Es WILL lernen.
Es ist eine der ursprünglichsten und natürlichsten Eigenschaften des Menschen, neue Dinge erfahren und erlernen zu wollen.
Menschen sind von Geburt an äußerst wissbegierig und aufnahmefähig.

Im Grunde sind wir am Anfang so, wie wir sein sollen: Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und gehen unvoreingenommen an unsere Umwelt heran!

Und dann kommen wir in die Schule Gruselschrift

Du hast jetzt bereits erfahren, wie unser Gehirn am besten lernt: Freiwillig und durch Begeisterung für ein Thema.
Außerdem lernen wir nachhaltig nur dann, wenn wir uns Wissen selbst angeeignet haben – Wenn wir ein Problem selbstständig lösen.

In unserem Schulsystem passiert aber in den meisten Fällen genau das Gegenteil.

Ein Lehrer steht vor der Klasse und erklärt uns, wie etwas funktioniert (ob uns das interessiert oder nicht, ist dabei scheinbar egal).
Das müssen wir anschließend auswendig lernen und bei der Klausur wiedergeben.
Das bedeutet: Wir haben keinerlei eigene Motivation, ein Problem selbstständig lösen zu WOLLEN und haben anschließend an der Problemlösung selbst überhaupt nicht selbst mitgearbeitet. Wir kriegen sie einfach fertig präsentiert und sollen es genau so übernehmen. Wir haben keinen Erschaffens-Prozess durchlaufen und oftmals noch nichtmal einen praktischen Bezug zur Realität.
Wenn uns das Thema dann auch noch egal ist, wir an dem Thema kein Interesse haben, bleibt schon zweimal nichts davon hängen…

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Neugier, die Grundvoraussetzung für nachhaltige Lernerfolge ist, bleibt bei diesem Schulsystem und bei dieser Art zu lernen gänzlich auf der Strecke.

So lernen Menschen nicht!

 

Zeitdruck und Zeitkomprimierung

Ein weiteres Übel unseres aktuellen Schulsystems, ist die permanente Komprimierung von Zeit.
Es ist Fakt, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und wir dadurch immer länger im Arbeitsleben stehen werden.

Warum versucht man also die erste Phase unseres Lebens, die Ausbildungsphase, immer weiter zu reduzieren und zu komprimieren? Warum gibt man unseren Kindern nicht die Möglichkeit, sich in Ruhe zu entwickeln? Arbeiten werden sie in ihrem Leben noch lange genug…

Hirnforscher sind sich einig, dass das Aneignen von Wissen und die Entwicklung einer Persönlichkeit Zeit braucht.
Menschen brauchen Zeit, um Wissen und Erlerntes zu verarbeiten und dieses sacken zu lassen.

In unserem Schulsystem werden Schüler jedoch immer mehr unter Druck und unter Stress gesetzt. Ein enorm breites Spektrum an Stoff wird in immer kürzerer Zeit in die Köpfe unserer Kinder geprügelt.

Die Resultate sind Frust und Demotivation.

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Anders ausgedrückt: Wir nehmen unseren Kindern, mit aller Gewalt, die Begeisterung und den Spaß am Lernen und geben ihnen immer weniger Freiraum, sich zu charismatischen und selbstbestimmten Menschen zu entwickeln!

Dabei ist es heute wichtiger denn je, eine gefestigte und selbstbewusste Persönlichkeit zu entwickeln, um in unserer schnelllebigen und immer komplexer werdenden Welt zu bestehen.

Nehmen wir Kindern diese Möglichkeit, nehmen wir uns und unserem Land die Zukunftsfähigkeit und die Grundlage unseres Erfolges.

 

Wie kann man unser Schulsystem transformieren?

Es ist klar, dass eine radikale Schulreform, die sich den Zeiten und neuen Herausforderungen anpasst, in einem bürokratischen Land wie Deutschland enorm viel Zeit braucht. Neurungen und Innovationen lassen sich leider nicht über Nacht realisieren, auch wenn es bitter nötig wäre. Dadurch laufen wir Gefahr, unser kostbarstes Gut (Bildung und Innovation) zu „verschenken“ und im internationalen Vergleich weit abzurutschen…

Einige (leider kostspielige) Privatschulen beweisen jedoch regelmäßig, dass ein anderes Schulsystem durchaus realisierbar wäre. Dort werden Kinder in ihrer Kreativität und in ihrer Sozialkompetenz gefördert und nicht nur zu stumpfsinnigem Auswendiglernen von veraltetem Stoff gezwungen. Unternehmerisches Denken und „Querdenken“ wird dort gefördert und nicht im Keim erstickt…

Das Resultat sind selbstbewusste Kinder, die vor dem Arbeitsmarkt keine Angst haben, sondern sich darauf freuen. Viele von diesen Kindern werden später unternehmerisch tätig und versinken nicht in anspruchslosen und unbefriedigenden Angestellten-Verhältnissen als anonyme Nummer in einem Stapel von Personalakten.

Wenn wir es als Gesellschaft nicht auf die Reihe kriegen, unseren Nachwuchs individuell zu fördern anstatt ihm jeglichen Spaß am Lernen zu nehmen, wird sich das nicht nur auf eben diesen Nachwuchs auswirken, sondern auf die ganze Gesellschaft.

Wenn wir es aber schaffen, selbstbewusste, kritische und engagierte Menschen aus den Schulen zu entlassen und nicht nur Paragrafenreiter und farblose, rückgratlose Maschinen, dann haben wir vielleicht eine Chance eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen glücklich und zufrieden leben und arbeiten können, sich gemäß ihrer Neigungen und Überzeugungen entwickeln können und etwas schaffen können, das dem Gemeinwohl dient und der Gesellschaft einen Nutzen stiftet.

Kreativität und Innovation als Motor unserer Gesellschaft

Wir stehen als Gesellschaft vor enormen Herausforderungen. Wir werden mit Klimawandel, Überbevölkerung, Wasser- und Rohstoff-Knappheit, ungerechten Vermögensverteilungen und vielen weiteren Problemen zu kämpfen haben.
Aufgrund der digitalen Revolution und der dadurch bedingten, radikalen Umstrukturierung von Gesellschaften und Arbeitsmärkten, werden wir uns in Zukunft Gedanken darüber machen müssen, wie wir leben wollen – Wie wir mit unserem Planeten weiter umgehen wollen.

Um solche riesigen Herausforderungen anpacken und meistern zu können, brauchen wir kreative Köpfe. Menschen, die nicht alles immer als gottgegeben hinnehmen und sich eigene Gedanken machen können. Wir brauchen Querdenker, Revoluzzer, Innovateure und Charismatiker. Wir brauchen motivierte und selbstständige Menschen, die Spaß daran haben, festgefahrene Strukturen aufzubrechen und neu zu gestalten.

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Ist die Schule (in ihrer momentanen Form) ein Ort, an dem Kinder zu solchen Menschen heranreifen können? Ist sie ein Ort, an dem Kinder genau dabei unterstützt und gefördert werden?

Mit diesen Gedanken lasse ich euch jetzt alleine…

Dein Max
Online Business Consulting

Es würde mich wahnsinnig interessieren, wie eure Meinung zu diesem Thema ist…
Schreibt es in die Kommentare, wie eurer Meinung nach die Schule der Zukunft aussehen müsste!


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